Eindeutschung von lateinischen Termen
Verantwortlich: @stefan.schulz (Unlicensed)
Aus der Arbeitskopie übernommen:
Jan 24, 2023
Die Regeln wurden bereits im Kapitel Groß- und Kleinschreibung behandelt. Im Zweifelsfall sollen mehrere Quellen (ICD-10 & OPS Übersetzung, Duden,...) verglichen werden, um die richtige Schreibweise herauszufinden. Bei Bedarf können Terme, bei denen die Übersetzung nicht klar ist, an die Mitglieder der GTG gemeldet werden.
Achtung: Die Regeln in SNOMED CT: D-A-CH-Übersetzungsrichtlinie - Intern#SpezifischeRegelnf%C3%BCrSubstanzen müssen beachtet werden.
Der orange markierte Teil soll in die ÜRL aufgenommen werden - muss aber vorher noch einmal genauer analysiert werden.
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Wollen wir diesen Abschnitt verallgemeinern, also Eindeutschung auch von englischen Termen mit hineinnehmen (wir hatten z.B. das Beispiel Baby → Babys) ?
Bezüglich des Einbettens von Termen lateinischen Ursprungs in die deutsche, medizinische Fachsprache haben sich Regeln herausgebildet, die nur teilweise schlüssig sind und die im klinischen Alltag oft ignoriert werden. Darüber hinaus widersprechen die in der Medizin gültigen Regeln denen, die für die chemische Nomenklatur gelten, was dort relevant wird, wo Medizinterme chemische Terme enthalten.
Verstöße gegen diese Regeln sind in der klinischen Dokumentation alltäglich, wie die folgenden Beispiele zeigen (nach Verlagsvorgaben korrekte Schreibung in Klammern)
"Coloncarcinom" ("Kolonkarzinom")
"Cerebralsklerose" ("Zerebralsklerose")
"Oesophagus" ("Ösophagus")
"Kalziumacetat" ("Calciumacetat")
Vom Verlagswesen werden diese Richtlinien streng eingehalten, siehe (Verlagsrichtlinien des Thieme-Verlags). Lateinische Wörter, die nicht komplett in einem für das Lateinische typischen syntaktischen Kontext stehen (also mit lateinischen Kasusendungen), werden eingedeutscht. Ausschließlich in Fällen, in denen zwei syntaktisch verbundene lateinische Wörter nebeneinander stehen, bleibt die lateinische Schreibweise bestehen.
Gehören sie zur medizinischen Terminologie, werden sie nach den Regeln der medizinischen Nomenklatur eingedeutscht
Gehören sie zur chemischen Terminologie, werden sie nach den Regeln der chemischen Nomenklatur eingedeutscht
Eindeutschungsregeln für Medizinterme:
"c" wird zu "z" in "cae", "coe", "ce", "ci", "cy"
"c" wird zu "k" in "ca", "co", "cu", "ct", "cn", "cl", "cm", "cr", "ct",
"ae", "oe" und "ue" werden zu den entsprechenden Umlauten
Verwendung von Bindestrichen oder Zusammenschreibung
Bei lateinischen Termen, die aus mehr als einem Wort bestehen, wird der Erstbuchstabe des ersten Wortes groß und die folgenden Wörter klein geschrieben
zu "ph" vs. "f" → Duden"
Bei der Eindeutschung bleiben lateinische Pluralendungen oft vorhanden, z.B. "Mikrovilli", "Ulzera", es kommt jedoch auch zu hybriden Pluralformen wie in "Appendizitiden"
Eindeutschungsregeln für Chemieterme (ausgehend von der englischen Schreibweise), einschließlich Termen für pharmakologische Substanzen:
Ist ein Einzelwort aus einem Chemie- und einem Medizinterm zusammengesetzt, so gilt die Konvention für Medizin z.B. "Kalziumexkretion".
In Zweifelsfällen orientiert man sich am Medizin-Duden, Roche-Lexikon oder Pschyrembel
Nach Anwendung der obigen Regeln sind folgende Schreibweisen korrekt:
"Ödem der Knöchel", "Knöchelödem", aber "Oedema aquosum"
"Ulkus des Magens", "Magenulkus", aber "Ulcus ventriculi"; "Bulbuskontusion", aber "Contusio bulbi"; "Polypose des Kolon", aber "Polyposis coli", "Angina pectoris", aber "pektanginöse Schmerzen"
"Zyste" und "Zystitis", aber "Cytosin"; "Karzinom" aber "Calcium"
1.19.18. Präferenzregeln :
Für den Preferred Term folgen wir strikt den o.g. Sprachnormen und schlagen im Zweifelfall in medizinischen Lexika nach, sowie orientieren uns an den Präferenzen der BfArm-Klassifikationen.
Für die Synonyme lassen wir uns auch durch die Sprachpraxis und die Sprachtradition leiten, sofern sich nach der Häufigkeit im Web die Popularität einer nicht normgerechten Schreibweise belegen lässt
Beispiele (mit exakter Google-Zählung - Zusatz rc=1):
Ösophagusvarizen (1910) | Kalziummangel (1120) | intrazerebrale Blutung (2100) |
Oesophagusvarizen (63) | Calciummangel (983) | intracerebrale Blutung (92) |
Oesophagusvaricen (17) | Ca-Mangel (77) | Hirnblutung (4950) |
Hier entspricht "Kalziummangel" nicht der offiziellen Schreibweise, da es nach den Medizin- und nicht nach den Chemie-Regeln eingedeutscht wurde. Beispiele:
Englischer FSN | Deutscher Preferred Term | Weitere Synonyme (acceptable) |
|---|---|---|
Carcinoma of colon (disorder) | Kolonkarzinom | Coloncarcinom |
Esophageal structure (body structure) | Ösophagus | Oesophagus, Speiseröhre |
Calcium deficiency (disorder) | Calciummangel | Kalziummangel, Calciumdefizit |
Bei Konzepten aus der Hierarchie "body structure" (anatomische Konzepte) ist nach Möglichkeit der lateinische Term als Preferred vorzuziehen, sowie ein deutscher Term als Synonym anzugeben. Ausnahmen können dort gemacht werden, wo der lateinische Term ungebräuchlich ist, Beispiel "Kopf".
Englischer FSN | Deutscher Preferred Term | Weitere Synonyme (acceptable) |
|---|---|---|
Head structure (body structure) | Kopf | Caput |
Structure of head of humerus (body structure) | Caput humeri | Humeruskopf |
Facial nerve structure (body structure) | Nervus facialis | Gesichtsnerv |
Vermutlich werden englische Terme teilweise auf Deutsch und Latein bzw. auf Deutsch und Griechisch ins Deutsche übersetzt werden müssen (vor allem im Bereich "Anatomie).
@stefan.schulz (Unlicensed) : Ich fürchte, eine puristische Lösung für den "Preferred term" gibt es hier nicht. Vielleicht nach Termhäufigkeit entscheiden?
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